Warum wir kein Polyester verwenden

Warum wir kein Polyester verwenden

Unterwäsche ist das Kleidungsstück, das unserer Haut am nächsten kommt. Sie begleitet uns den ganzen Tag, beim Atmen, Bewegen, Schwitzen, Leben. Genau deshalb haben wir uns sehr bewusst für bestimmte Materialien entschieden und gegen andere.

Polyester gehört nicht dazu.

Was spricht gegen Polyester?

Polyester ist ein synthetisches Polymer auf Erdölbasis. Chemisch betrachtet besteht es aus langen, sehr stabilen Molekülketten mit relativ wenigen polaren Gruppen. Das bedeutet:

  • geringe Feuchtigkeitsaufnahme

  • eingeschränkte Atmungsaktivität

  • höhere Geruchsanfälligkeit

  • Freisetzung von Mikroplastik beim Waschen

Diese Eigenschaften machen Polyester technisch effizient – aber nicht ideal für Unterwäsche, die direkt auf der Haut getragen wird.

Als Studentin der Bekleidungstechnik beschäftige ich mich intensiv mit Faserchemie, Polymerstrukturen und Materialverhalten. Je tiefer ich die chemischen und physikalischen Grundlagen verstanden habe, desto klarer wurde: Für hautnahe Basics gibt es bessere Lösungen.

Unsere Alternative: 

Naturbasierte Hochleistungsfasern

Bio-Baumwolle – hydrophil und hautfreundlich

Baumwolle besteht aus Cellulose, einem natürlichen Polymer mit vielen Hydroxylgruppen (–OH). Diese ermöglichen Wasserstoffbrückenbindungen – ein chemischer Mechanismus, der für:

  • gute Feuchtigkeitsaufnahme

  • Atmungsaktivität

  • weichen Griff

  • Hautverträglichkeit

verantwortlich ist.

Wir verwenden ausschließlich Bio-Baumwolle, weil sie ohne synthetische Pestizide angebaut wird und deutlich geringere Umweltbelastungen verursacht.


Lyocell – moderne Zellulosefaser

Lyocell ist ebenfalls eine Cellulosefaser, wird jedoch in einem geschlossenen Kreislaufverfahren hergestellt. Chemisch bleibt die Polymerstruktur weitgehend erhalten, was zu:

  • hoher Nassfestigkeit

  • glatter Oberfläche

  • guter Hautverträglichkeit

  • effizientem Feuchtigkeitsmanagement

führt.

Im Gegensatz zu vielen synthetischen Fasern basiert Lyocell auf nachwachsenden Rohstoffen.


Warum wir etwas Elastan verwenden

Bewegungsfreiheit ist für Unterwäsche essenziell. Elastan besteht aus segmentierten Polymerketten mit weichen und harten Segmenten. Diese Struktur ermöglicht eine reversible Dehnung.

Wir setzen Elastan bewusst nur in minimalem Anteil ein – dort, wo es funktional notwendig ist. Ohne Elastan wäre Passform und Langlebigkeit deutlich eingeschränkt.

Unser Ziel ist nicht radikale Materialreinheit, sondern ein verantwortungsvoller Kompromiss zwischen Nachhaltigkeit, Komfort und Haltbarkeit.


Nachhaltigkeit bedeutet auch Materialwissen

Für uns ist Nachhaltigkeit keine Marketingstrategie, sondern eine materialtechnische Entscheidung.

Polyester mag kostengünstig, robust und pflegeleicht sein. Aber wenn man die chemischen Grundlagen, die ökologische Herkunft und das Mikroplastikproblem berücksichtigt, ist klar: Für hochwertige, langlebige Unterwäsche gibt es bessere Optionen.

Wir entscheiden uns bewusst für:

  • nachwachsende Rohstoffe

  • atmungsaktive, hydrophile Faserstrukturen

  • reduzierte synthetische Anteile

  • langlebige Qualität statt Fast Fashion

Denn echte Nachhaltigkeit beginnt auf molekularer Ebene.

 

Zurück zum Blog